Georg von Schmettau

Stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Erfurt, Familienrichter seit 2007, Mitarbeit im interprofessionellen Erfurter Arbeitskreis „KiTS“ – Kinder bei Trennung und Scheidung

Informationen zum Kindschaftsverfahren beim Amtsgerichts Erfurt

http://www.thueringen.de/th4/olg/gerichte_in_thueringen/landgericht_erfurt/ags/amtsgericht_erfurt/das_gericht/familiensachen/index.aspx

 

Workshop:

In den Kindschaftsverfahren kommen – bevor der Sachverständige durch das Familiengericht beauftragt wird – verschiedene Professionen mit den Eltern in Berührung: hier sind in erster Linie zu nennen die Verfahrensbevollmächtigte der Eltern, das Jugendamt, das Familiengericht, sehr häufig der Verfahrensbeistand und, wenn sich die Eltern hierauf einigen, eine Familienberatungsstelle. Das familiengerichtliche Verfahren ist in der ZPO und im FamFG geregelt. Die Verfahrensvorschriften, die den Sachverständigen betreffen, sind im wesentlichen in den §§ 402 ff. ZPO geregelt, im FamFG gibt es lediglich zwei ergänzende Hinweise: zum einen die Festlegung einer bestimmten Berufsqualifikation für einen im Kindschaftsverfahren eingesetzten Sachverständigen (§ 163 Abs. 1 FamFG) und zum anderen die Möglichkeit des Familiengerichts, den Sachverständigen zusätzlich damit zu beauftragen, auf das Einvernehmen der Eltern hinzuwirken (§ 163 Abs. 2 FamFG).
Kindschaftsverfahren sind maßgeblich davon geprägt, dass sie durch die Eltern mit einer hohen Emotionalität geführt werden, den betroffenen Kindern gewissermaßen die “Zeit davon läuft” und Familie stets in Bewegung ist. Der Sachverständige, der mit der Familie meist in einem sehr späten Verfdahrensstadium erstmals in Berührung kommt, findet eine Situation vor, in der sich vieles verfestigt hat. In vielen Fällen haben andere Professionen mit den Eltern bereits erfolglos versucht, neue Wege zu beschreiten. Das aufzubrechen stellt eine besondere Herausforderung dar. Eine lösungsorientierte Begutachtung im Sinne einer Sachverständigenintervention ist darauf angewiesen, dass die Eltern am Ende mitziehen und davon überzeugt werden, dass Veränderungen nötig sind und von ihnen getragen und gelebt werden. Lösungsorientierte Begutachtung trägt insbesondere dort Früchte, wo das professionelle Umfeld der Eltern auf Veränderung eingerichtet ist und die Eltern begleitet. Jeder Veränderungsprozess ist störanfällig, auch im Sinne einer Nichtakzeptanz durch die beteligten Eltern und ihre Verfahrensbevollmächtigten.
Welche Schritte im Verfahren anderer Professionen sind hilfreich und unterstützend für eine Sachverständigenintervention, welche Voraussetzungen müssen durch das Familiengericht geschaffen werden. Was sollte tunlichst unterlassen werden.