Cihan Akbaba

Diplom-Soziologe, Systemisch-lösungsorientierter Sachverständiger (FSLS), Systemischer Berater und Therapeut (SG), Lösungsfokussierter Berater (SG), Kinderschutzfachkraft

Vita:
Cihan Akbaba studierte an der Universität Bielefeld Diplom-Soziologie. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Standortleiter in der Erwachsenenbildung, bevor er dann beruflich in den Bereich der ambulanten Familienhilfen wechselte. Parallel entwickelte der Musiker kreativ-künstlerische Angebote für Jugendliche und leitete soziale Trainingskurse für straffällig gewordene Jugendliche sowie Elternkurse für Familien mit einer Einwanderungsgeschichte. Als Sohn einer Gastarbeiterfamilie aus der Osttürkei kam er in Bielefeld zur Welt und wuchs in einem sozialen Brennpunkt auf. Die unterschiedlichen Lebensbiographien seiner Kindheitsfreunde, sein multikulturelles Lebensumfeld, Benachteiligungskonstruktionen sowie Abgrenzungs- und Spaltungsprozesse innerhalb der Migrantencommunity, führten ihn zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Frage der Identität, Heimat und Familie.
Als Freiberufler leitet er seit 2009 in der Funktion des Geschäftsführers den Jugendhilfeträger „Interkulturelle Familienhilfe (IKF)“ in Bielefeld und seit 2015 in Co-Leitung die Fach- und Koordinierungsstelle der Stadt Herford im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ Darüber hinaus arbeitet er bundesweit als Sachverständiger für Familiengerichte und gibt Seminare und Fortbildungen für Jugendämter, Schulen und unterschiedliche psychosoziale Einrichtungen. Paartherapie, Familienberatung, Clearing, Supervision und lösungsorientierte Begutachtungen bilden den Hauptschwerpunkt seiner Arbeit. Die Themenfelder: Radikalisierung von Jugendlichen, kulturspezifische Problemstellungen und Demokratieentwicklung gehören zu seinen weiteren Fachgebieten. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf dem Zusammenspiel von Familie und Kultur im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Sein gesamter Ansatz basiert auf einem ganzheitlich-systemischen Ansatz.

Workshopinhalt:
Bei diesem Workshop wird Herr Akbaba sein systemisch-kulturspezifisches Konzept in der Arbeit mit Familiensystemen aus patriarchalen Kulturkreisen darstellen. Dabei werden die Kernelemente dieser Familien- und Lebenskonzepte sowie das dahinterstehende Weltbild  vorgestellt.
Aufgrund starker Migrationsbewegungen entstehen innerhalb von Aufnahmeländern sogenannte „transstaatliche Räume“, in denen zugewanderte Familien und Kulturkreise den Erhalt der Werte und Normen aus ihren Ursprungsländern sichern und reproduzieren. Diese transstaatlichen Räume verändern die gesamtgesellschaftlichen Strukturen und stellen viele Professionelle, die mit Familiensystemen und Menschen arbeiten, vor großen Herausforderungen. Migrantenkinder bzw. hybride Identitäten, die innerhalb unterschiedlicher Lebenswelten aufwachsen, entwickeln zunehmend Identitätsstörungen oder erleben schwere Identitätskonflikte, weil sie zwischen Anpassung und Selbsterhaltung hin- und hergerissen sind. Gerade bei familiengerichtlichen Verfahren ergeben sich im zunehmenden Maße unterschiedlichste Problemstellungen, die viele Professionelle an ihre Grenzen bringen. Ehrenmorde oder religiöse Unterwerfungen sind dabei Phänomene, die mit den freiheitlich-demokratischen Werten unserer Gesellschaft nicht einhergehen, uns aber dennoch im Kontext familiengerichtlicher Verfahren immer wieder begegnen. Interkulturalität ist inzwischen ein unverzichtbares Element systemischen Arbeitens im Hinblick auf die Begutachtung von Familien aus fremden Kulturkreisen. Das Fremde ist uns solange fremd, bis wir es kennen und verstehen. Gerade der systemische Ansatz basiert auf der Idee, dass Systeme autonom und geschlossen sind. Anhand von Systeminformationen analysieren Systemiker psychische und soziale Systeme, um entsprechend gezielt intervenieren zu können.
Im Sinne des Theorie-Praxis-Transfers werden im zweiten Teil des Workshops Fallbeispiele besprochen, anhand derer die Interventionsmöglichkeiten in patriarchale Familiensysteme gemeinsam erörtert werden. Die Teilnehmer können eigene Fälle einbringen.